04.04.2010

PAPAROT (Spinatpolentaeintopf aus Friaul)


5. Woche Il primo
Ganz weit oben in der hintersten Ecke rechts des Stiefels liegt eine Region mit dem Namen Friuli-Venezia Giulia. Eigentlich handelt es sich um 2 verschiedene Regionen; sie sind aus bürokratischen Gründen zusammengeschweißt. Auch kulinarisch gesehen gibt es Unterschiede. In Venezia Giulia (Hauptstadt Triest), wo der Habsburgereinfluss in Nordostitalien am stärksten ausgeprägt war gehören  u.a. Gulasch und Kipferli immer noch zur eigenen Tradition. Das aber nicht im Friaul, wo Polenta das Hauptnahrungsmittel der  „Arme Leute“ – Kochtradition ist . Ich habe zwar in (wenigen)  Büchern verschiedene Versionen von diesem Eintopf gefunden, doch nirgendswo einen Hinweis darauf was der Name bedeuten könnte. Bei dem Rezepteschmökern hat mir auch mein bevorzugtes Versuchskaninchen geholfen, der Vater einer Freundin mit dem es sich gut über Wein und Essen und vieles andere sprechen lässt (d.h. ich höre zu). Er nimmt sich auch keinen Blatt vor den Mund wenn es ihm nicht bekommt. Und nachdem wir mit unserem Lesen und der Unterhaltung durch die Küchen und Regionalspeisen von halb Italien gereist sind,  hat er einen leicht skeptischen Blick auf den Topf voll Paparot, das er auch noch nie gegessen hatte, geworfen und seufzend gemeint: „ Kennst du  eigentlich den Spruch: Erst über Weiber reden doch dann Limonade trinken gehen?“ Aber, aber– es hat ihm sehr geschmeckt und er wollte sogar das Rezept!
Zeit: 45Minuten
Für 4 Personen

  • 500gr. gewaschenen, geputzten Spinat
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Esslöffel Olivenöl
  • 1 Lt. Brühe
  • 100 gr. vorgegarter Polentagries, Instant Polenta (wer richtige möchte kann es ruhig tun, könnte halt nur etwas langer dauern.)
  • 1 Esslöffel Butter
  • Salz, Peffer zum Abschmecken
  • Wasser (nach Bedarf)
  • (Nach Wahl: Etwas Speck oder Salsiccia enthäutet im Mörser zerstossen, eine Prozedur, die dieser Regionalküche eigen war, mit dem Knoblauch anbraten – Ist eine Festtagsvariation und ich habe es ohne gekocht)
Auf mittlerer Flamme in einem größeren Topf den frisch gewaschenen Spinat kochen. Es ist nicht nötig Wasser oder Salz hinzuzugeben aber dafür muss der Deckel auf den Topf. In der Zwischenzeit die 2 Knoblauchzehen enthäuten und mit einem Messer platt drücken. Wenn der Spinat weich ist in ein Sieb  mit  darunter einem Gefäß giessen um das Kochwasser aufzufangen. Den Topf wieder auf die Flamme stellen, das Olivenöl hineingeben und die 2 Knoblauchzehen. Es müsste recht schnell zu brutzeln anfangen. Den Spinat mundgerecht schneiden, mit dem Holzlöffel zerdrücken geht auch, kurz im Öl mit dem Knoblauch schwenken. Das Kochwasser und die Brühe hinzufügen. 10 Minuten kochen lassen. Versuchen die Knoblauchstückchen herauszufischen (meine Mutter würde an diesem Punkt protestieren) und die Polenta langsam hineinschneien, dabei mit einem Schneebesen herumrühren damit sich keine Klümpchen bilden. Auf niedriger Temperatur köcheln lassen bis die Polenta weich ist. Am Ende die Butter hinzufügen (wichtig, denn ohne schmeckt’s nicht so gut) und mit Salz und Pfeffer abschmecken und auch Wasser hinzufügen falls man es nicht so dickflüssig mag. Und weil ich ja schon etwas südlich bin habe ich auch noch etwas Chilischote, peperoncino, hineingegeben. Die Suppe sollte nur warm serviert werden. Heiß schmeckt sie nicht und geriebener Parmesan passt ausnahmsweise nicht dazu…

Kommentare:

  1. Ein eigenartiges Lokalgericht, für das ich auf die Schnelle keine Entsprechung in anderen Gegenden gefunden habe. Polenta und Spinat mögen wir, also warum nicht mal ausprobieren.

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  2. Ich schliesse mich dem ausprobieren an, würde es aber in festerer Form vorziehen - so als Beilage (bin kein großer Suppenfan)

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  3. @lamiacucina: Es ist ein leichtbekoemmliches Gericht. Äusserst als Abendsuppe zu empfehlen wenn man ein ausgiebiges Mittagessen gehabt hat.
    @mein Ideentopf: vielleicht kann es gut zu einem Bollito passen. Es ist an sich schon etwas ein Brei - schade, dass mit den Suppen. Ich mag´sie sehr und von denen gibt es ja auch in Italien soviele und gute und zum Wiederentdecken!

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  4. Hallo zusammen,
    danke für den tollen Beitrag. Hat Spaß gemacht, den zu lesen. Ich selber bin ja auch, was Suppen und andere Speisen angeht, eine echte Naschkatze. Ich könnte den ganzen Tag diese traumhaften gerichte Essen.
    :P Jetzt, wo ich deinen Beitrag gelesen habe, überkommt mich auch wieder der Appetit :D Dick bin ich zwar nicht, aber ich haette es verdient :D
    LG Frederik (und Marianne)

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