17.07.2010

PENNE ALLA CARLOFORTE CON CODA DI ROSPO (Penne-Nudeln nach Carloforte - Art mit Seeteufel)

19.Woche Il secondo
Streng genommen wäre es natürlich ein erster Gang aber diese Pasta hat das Recht auf einen Ehrenplatz, denn in Gedanken beschäftigt sie mich seit beinahe 2 Jahrzehnten und ist heute noch eine der besten Fisch - Pastas, die ich kenne.
So wie ich sie auf dem Foto vorstelle habe ich sie zum ersten Mal Anfang der 90 Jahre, als ich noch Studentin war, bei einer Freundin gegessen. Sie hatte das Rezept von ihrer Schwester und die wiederum aus einer Zeitschrift. Der Geschmack ist sehr delikat und beruht auf einem strengen Gleichgewicht der Zutaten. Von dem einen mehr oder weniger (außer mehr Seeteufel) und schon schmeckt es nicht mehr so gut. Einer der Gründe warum meine Freundin sehr darauf achtete die Zutaten genauestens abzuwiegen.
Diese Pasta hat für mich eine der größten Geschmacksüberraschungen dargestellt an die ich mich erinnere. Ich hätte mir ja nie gedacht, dass Basilikumpesto und eine Tomaten – Fisch Sauce so gut zusammenpassen können. Und ich fand die „Kreation“ – kam ja aus einer Zeitschrift – und deren Erfinder beinahe genial. Bis ich vorgestern am Herd stand, mit dem Holzlöffel in der Hand die Seeteufelstückchen in der Pfanne umwälzte  und an eine Thunfischpasta dachte von der mir ein Arbeitskollege kürzlich  erzählt hatte. „Spaghetti alla Carloforte“. Eine traditionelle Thunfischpasta mit Basilikumpesto. Nochmals Erstaunen als ich herausfand, dass Carlo Forte sich eigentlich Carloforte schreibt, also kein gewisser Herr Karl Stark ist, sondern der einzige bewohnte Ort der Insel San Pietro und seit über 200 Jahren sozusagen eine ligurische Kolonie vor der Südwestküste Sardiniens. Denn „ im Jahr 1738 ließ der Savoyerkönig Karl Emanuel III. ligurische Fischer aus der genuesischen Besitzung Tabarka im heutigen Tunesien auf die noch unbewohnte Isola di San Pietro und die Nachbarinsel Sant'Antioco umsiedeln. Tradition und Kultur, sogar der Inseldialekt hat also starke genuesische Einflüsse - und wenn man die benachbarten Sarden fragt, auch so einige Charakterzüge: Sie seien genau wie ihre ligurischen Vorfahren ein wenig unfreundlich, barsch und vor allem geizig, sagt man den Carlofortini nach.“ (Quelle: Sardinien.com)
Und so war nach 20 Jahren das Geheimnis der Kombination Tomaten-Fisch Sauce mit Basilikumpesto gelüftet. Übrig geblieben ist aber eine sehr gute Fischpasta.
Zeit: 40 Minuten
Für 4 Personen

Zutaten
  • 400gr. Penne Nudeln (Ausnahmsweise finde ich, dass kurze Pasta hier besser passt)
  • 350gr. mundgerecht geschnittene Seeteufelstückchen (entspricht ca. 500gr. Seeteufelschwanz)
  • 4 mittelgroße Rispentomaten
  • 30gr. Basilikum
  • 30gr. Ricotta
  • 15gr. Pinienkerne
  • Olivenöl Extravergine
  • Salz
  • ½ Knoblauchzehe
  • 1 Schalotte (oder ¼ Knoblauchzehen und die Hälfte einer kleinen Zwiebel)
Die Tomaten waschen und mit viel Wasser in den Kochtopf, in dem die Nudeln gekocht werden, geben und zum Sieden bringen. In der Zwischenzeit die ½ Knoblauchzehe, Ricotta, Basilikum, Pinienkerne, Öl und etwas Salz zusammen in einem Mixer (oder Kaffeemühle) zu einer grünen Creme zusammenmixen und bei Seite stellen. Die Haut der Tomaten müsste in der Zwischenzeit geplatzt sein, also aus dem Topf herausnehmen (das Wasser kann für das Kochen der Pasta verwendet werden), enthäuten und in einem Sieb abtropfen lassen. In einer größeren Pfanne (wo die Pasta mit der Sauce vermischt werden kann) die geschälte und kleingehackte Schalotte braten, die Seeteufelstückchen hinzugeben und auf hoher Flamme 5 Minuten braten, dann die zerschnittenen Tomaten hinzugeben, nochmals leicht salzen und auf niedriger Flamme 10 Minuten dünsten lassen. Dann vom Herd nehmen. Die Pasta in Salzwasser gar kochen, absieben unter die Fischsauce mischen, dann die grüne Basilikumcreme hinzugeben und servieren.

PASTA ALLA CARLOFORTINA
Für die originale den Seeteufel mit in Öl eingelegten Thunfisch (c.a. 200gr.) ersetzen und die grüne Creme mit ca. 60gr. richtigem Basililkumpesto.

TIPPS & TRICKS: PESTO AL BASILICO (Basilikumpesto)
Basilikumpesto macht jeder auf seine Art. Ich mixe zusammen folgende

Zutaten
  • ca. 200 gr., gewaschene, frische Basilikumblätter
  • 25gr. Pinienkerne
  • 1 ½ geschälte Knoblauchzehen
  • 5 cl Olivenöl Extravergine
  • 2 Esslöffel Parmesankäse
  • 1 Esslöffel Pecorino Romano
und verwende auch gerne etwas Wasser um das Basilikum zu verlängern anstatt Öl. Im Winter habe ich schon manchmal zu Pesto aus dem Glas gegriffen, das ich dann mit etwas Milch in der Schüssel anmache um den beißenden Geschmack auszumerzen. Und viel Parmesankäse.

Kommentare:

  1. Superlecker hört sich das an.
    Ich kenne den Pistou aus Frankreich, er wird auch mit Tomate gemacht. Den aß ich allerdings nur zur Gemüsesuppe.

    AntwortenLöschen
  2. Das ist ein tolles Rezept. Ich speichere es mir ab...so habe ich das noch nie gegessen.

    AntwortenLöschen
  3. Nudeln mit Fisch sind immer gut.

    By the way: keine Lust auf Friday Five gestern gehabt?

    AntwortenLöschen
  4. @FreundindesgutenGeschmacks:Erstaunlicherweise wird in Italien sehr viel Seteufel aus Frankriech importiert...
    @Isi: Ich glaube, dass man schon tatsaechlich ein ziemlich begabter Chef sein muesste um von selbst auf diese Kombi zu kommen, ohne von der Carloforte Version zu wissen.

    AntwortenLöschen
  5. Wow! Und flutsch, schon isses auf meiner Nachkochseite...

    AntwortenLöschen
  6. Wie gerne würde ich mal nach Carloforte & Umgebung fahren, es muss dort traumhaft schön sein. Und wie ich sehe ist das Essen einsame Spitze :-) Wenn Seeteufel hier nur nicht so teuer wäre!

    AntwortenLöschen
  7. @Hesting: Friday Five hatte ich gesucht aber vollkommen uebersehen!
    @Claus: Ob die in Neuseeland auch Seeteuefel zuechten?
    @Alex: Ich habe mich auch eben in das Inselchen verliebt!

    AntwortenLöschen
  8. schöne Geschichte, wie da plötzlich alles klar wird und zusammenpasst.

    AntwortenLöschen
  9. Hm, sehr gut auch die Geschichte zur Pasta (die geizigen Sarden *g*). Ich finde, dass man mit einer solchen Geschichte gleich noch bessere Geschmacksnerven entwickelt.

    Seeteufelchen konnte ich hier nun nicht finden, aber Thunfisch, das wird wohl gehen.

    Heute nicht, denn im Garten wartete eine bedrohlich große Zucchini auf mich. Ich habe sie gefüllt mit Hackfleisch und vielen Kräutern, auf ein Bett aus frischen Tomaten gelegt. Ist auch mal gut!

    Schönen Sonntag dir, liebe Jutta Lorbeerkrone, Brigitte

    AntwortenLöschen
  10. @amiacucina: Langjaehrige Rezepte - Gedankenpuzzle machen Spass..auch wenn man sie loest :-)
    @Brigitte: Ist deine Zucchini denn schon so Guinessreif, dass Du sie postest?? Gutes Wochenende auch Dir!

    AntwortenLöschen