08.09.2010

PASTICCIOTTI (Cremegefüllte Mürbeteigtörtchen)

25.Woche Il dolce
Auch ein Mitbringsel aus dem Urlaub im Salento (Apulien). Mein tägliches Frühstück mit einem Cafè macchiato und einem Glas kalten Mineralwasser. Und wieder ein Bewundern der fantasievollen Einfachheit des Salento.
Als ich das erste Mal in so ein Törtchen gebissen habe, war es lauwarm und die Kreme eine wohlige Überraschung – es war ein sehr glücklicher Moment. Und eine interessante Bar in der kleinen, malerischen Thermalstadt „Santa Cesarea Terme“, direkt an der Ostküste gelegen, in der es nach Schwefel riecht, da in 4 natürlichen Grotten bei verschiedenen Temperaturen iod- und schwefelhaltiges Wasser sprudelt. Das Interessante an Bar "Porta d'Oriente", ausser meinem ersten Pasticciotto,  war eine Schrift in hebräischer Sprache am Eingang. Die Besitzer haben eine kleine Tafel angebracht in welcher diese Eigentümlichkeit erklärt wird. Die Schrift wurde erst vor 2 Jahren bei den Renovierungsarbeiten des Gebäudes entdeckt  und besagt, dass sie 1946 aufgetragen wurde, um nicht die Erinnerung an die Jahre 1943-45 erlöschen zu lassen, als viele Juden auf der Flucht eine Bleibe in diesen Räumen fanden. Das Foto findet man hier. Und unter Santa Cesare Terme-Blog die Eindrücke des Salento einer deutschen Bloggerin, die selber in dem Städtchen lebt.
Eigentlich werden die Pasticciotti in spezifischen, ovalen Förmchen gebacken und sehen dann so aus wie hier, aber die habe ich nicht zuhause und mir gedacht, dass es die Muffinsilikonform auch tun müsse. Und so war es auch. Am besten genießt man die Pasticciotti lauwarm. Außerdem waren sie eine gute Übung um die „crema pasticcera“ zu perfektionieren. Eine süße Milchcreme, die je nach Geschmack mit Vanille oder Zitrone zubereitet wird und die Basis vieler traditioneller, italienischer Süßspeisen ist.
Für 12 Törtchen
Zeit: Vorbereitung: 40Minuten+30Minuten Ruhen+40Minuten Backen

Zutaten

Für den Mürbeteig:
  • 500gr. Mehl
  • 250gr. Zucker
  • 250gr. Butter
  • 5 Eigelb
  • 1 Prise Salz
  • ½ geriebene Zitronenschale

Für die Crema pasticcera (Creme):
  • 1 Lt. Milch
  • 6 EL Mehl
  • 6 EL Zucker
  • 3 Eigelb
  • ½ geriebene Zitronenschale
+ 1 verquirltes Eiweiss

Ich sehe ein, dass der Eierverbrauch ungeheuerlich erscheinen mag aber das Eiweiß, das übrig bleibt kann eingefroren werden.
Der Mürbeteig: In einer Schüssel das Mehl mit dem Zucker vermischen, dann die geriebene Zitronenschale hinzugeben und die weiche Butter und kneten, kneten, kneten. Dann kommen die Eigelb hinzu und weiter kneten und kneten und kneten bis sich eine schöne Kugel formen lässt, die sich auch gegenseitig zuwerfen lässt (Tja…ich konnte dem nicht widerstehen) – und dann im Kühlschrank eine ½ Stunde ruhen lassen.
Die Crema pasticcera (Kreme): Die Milch mit der geriebenen Zitronenschale 5 Minuten sanft kochen lassen und dann vom Feuer nehmen. In einem hohen Topf den Zucker und das Mehl vermischen. Die Milch mit einem Sieb filtrieren um die Zitronenschale zu entfernen und dann nach und nach dem Gemisch hinzugeben und mit dem Mixstab verrühren damit die Creme schön glatt wird. Zum Schluss die Eigelb hinzugeben. Diese ganze Prozedur mit einem Schaumschläger durchzuführen sollte sich keiner antun. Der Schaumschläger wird allerdings für die 2. Halbzeit gebraucht. Jetzt sollte man nämlich die Creme im Wasserbad auf mittlerer Flamme solange rühren bis sie eindickt. Ich habe es erst mal in einem Topf probiert aber das war keine tolle Idee, denn sie setzte am Boden an. Der Wok dagegen war ideal. Aber einem liebevollen Rühren kann man nicht entkommen. Nach 15-20 Minuten ist es dann soweit. Und es ist eine Wonne.
Pasticciotti: Den gekühlten Mürbeteig ausrollen und 2/3 davon auf den Boden und an die Seiten der Förmchen drücken. Mit der Creme füllen und dem restlichen Teig schließen. Es ist Mürbeteig. Von daher sich nicht einschüchtern lassen wenn er beim Auflegen bricht. Am Ende hält es schon. Mit dem verquirlten Eiweiss bestreichen. Im auf 180° vorgeheizten Ofen 35-40 Minuten backen. Die Pasticciotti würden in einem Schönheitswettbewerb gewiss nicht den 1. Platz belegen – schmecken dafür aber umso besser.

Trick und Tipp: Eiweiss einfrieren
geht problemlos in einer Tupperdose oder einem Schraubglas. Und hält sich bis zu 2 Wochen.

Kommentare:

  1. erinnern mich verdammt an die pasteis de Belem! Lecker!

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  2. So ein Frühstück wäre auch was für mich. In einer Bar in Süditalien, mit gutem Kaffee und diesen leckeren kleinen Pastetchen. Übrigens lohnt es ich auch, Deinen Links zu folgen, denn die Bilder sind herrlich.

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  3. Oh so ein Törtchen hätte ich jetzt auch gerne. Muss ich bald mal nachmachen!

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  4. Na du legst ja mal ordentlich los hier. Aber sag mal, was sagt denn die Waage, wenn du im Urlaub so gut frühstückst? Aber es liest sich schon lecker. Aber ich bin ja nicht so die Süße. Deshalb spar ich mir den Aufwand und freu mich an deinen schönen Bildern und Geschichten. Danke!!!

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  5. Da wird es hier bei dem grauen Wetter noch einmal kurz Sommer, wenn ich mich mit solchen Törtchen auf ne schön sonnige Terrasse denke. Hach... :-)

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  6. Mir geht's wie Nata, ein Frühstück nach meinem Geschmack. Bar in Süditalien, guter Kaffee und lecker Pastetchen. Seufz!

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  7. @Bolli'sKitchen: die kannte ich natuerlich mal wieder nicht. Weiss aber jetzt nach was Ausschau halten falls es mich mal nach Portugal bringt...
    @nata: Ja, die verregneten Olivenhaine haben es in sich...und auch die folgenden Fotos. Freut mich sehr, dass es auch dir da gefallen hat.
    @zorra: Ich auch!!! (Aber ich werde mich mit Keksen zufrieden geben muessen.)
    @FrauKampi: Tja...die Waage ist mittlerweile schon seit Monaten verstummt...ausserem waren die pasticcioti Diaetessen im Gegesatz zu ...Fortsetzung folgt.
    @Christina: Hier ist nicht grau und kuehl...aber dafuer weiss und wegen der Luftfeuchtigkeit stickig.
    @Toni: Ich traeume immer noch von einem sizilianischen Sommerfruehstueck mit Granita di mandorle. Man ist wirklich nie zufrieden scheint es...

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  8. Träumen kann man ja und sich noch daran erfreuen. Überhaupt wenn einem etwas geblieben ist, wie diese Törtchen. Ich muss sie UNBEDINGT nachbacken!!

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  9. Hallo Jutta,

    hmmm, ich stehe ja unbedingt auf diese Milchcreme! Immer schon, und ich bekenne, dass ich manches Mal Gebäck nur kaufe, um die Milchcreme zu bekommen! Von daher muss ich dir dankbar sein, dass du dies Rezept (die Geschichte darum herum finde ich wieder sehr unterhaltsam und auch interessant!) einstellst.

    Lieben Gruss, Brigitte

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  10. Oh, ich nehme auch eins bitte, obwohl wir schon after lunch haben. Dessert geht doch auch, oder? Sehr lecker!

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  11. @TFK:Als ich zum ersten Mal das Thermalbad gesehen habe habe ich mich auch in 1001 Nacht gefuehlt!
    @Brigitte: Ich habe an dem bloggischen Kofferauspacken nach dem Urlaub auch sehr viel Spass!
    @MyKitchenintherockies:...aber zum Lunch muss es was leichtes gegeben haben :-)

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  12. was für ein tolles Rezept! morgen probier ichs.
    Gestern habe ich übrigens di pitta di patate nachgekocht, ist sehr gut angekommen!

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  13. @365Tage: Das freut mich, dass das mit der Pitta geklappt hat....es tut mir naemlich immer noch leid wegen den Tortelloni :-)

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  14. Herrlich! Kommt auf der Nachbackliste ganz nach oben :-)

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  15. ...bin sicher, dass sie bei dir huebscher wegkommen wuerden, die Suessen!

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  16. Ein sehr netter Post!

    Ein weiteres Bild von der besagten Bar gibt es unter http://tinyurl.com/36ha2pf zu sehen. Ich werde dem Besitzer des Lokals ausrichten, dass die Pasticciotti geschmeckt haben :)

    Für alle Interessierten gibt es unter http://picasaweb.google.de/orpheus89 noch weiter Bilder aus Santa Cesarea Terme und nächster Umgebung zu sehen.

    Viele Grüße,
    Claudia

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  17. Der Besitzer war sowieso ein ganz netter. Wir haben uns etwas mit ihm unterhalten.

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