05.11.2010

CACIU ALL’ARGINTERA (Gebratener Käse nach Art des Silberwarenhändlers)

33.Woche Il primo
Die Bezeichnung dieses Keinrezeptes aus Ragusa, in Sizlien, als auch dessen (zu dieser Uhrzeit „Gute Nacht“) Geschichte, ist länger als die Zubereitung an sich :
Es gab einmal vor langer langer Zeit einen Silberwarenhändler, Salvatore, gerufen wurde er Totò, der sehr, sehr reich war. Er lebte im Stadtteil Ragusa Ibla, gleich in der Nähe der „San Giorgio“ (Hlg. Georg) Kirche und lud nach der Sonntagsmesse immer gerne alle seine Freunde, und auch den Priester, zum üppigen Mittagsessen ein, wo von seinen Bediensteten vor allem Fleischiges aufgetragen wurde bis sich der Tisch bog: Farssumagru (Rezept bei lamiacucina oder NewKitchonTheBlog), Capretto al forno (Zicklein aus dem Ofen - Rezept bei Cucinacasalinga), Coniglio selvatico in agrodolce (Süßsaures Wildkaninchen). Danach hatte man gerade noch etwas Platz für ein Stückchen Cassata (hier bei Kaffeeklatsch), Cannoli siciliani (mit Ricotta gefüllte und frittierte Teigröllchen bei Peppinella) und Granita al pistacchio (Pistazienwassereis). Natürlich hatte er viele Freunde und Bekannte aber vor allem eine wunderschöne Frau mit langen, blonden Haaren, die Annunziata hieß und deren Stammbaum sich bis auf einen gewissen Friedrich II zurückverfolgen ließ …aber das ist unwichtig. Das Wichtige ist, dass Totò Opfer einer Wirtschaftskrise wurde, auf einer kleineren, regionalen Skala, nicht wie heute - aber trotzdem. Er stand also von einem Tag zum anderen sozusagen "in Unterhosen" da, wie man auf Italienisch sagt, wenn man plötzlich kein Geld mehr hat. "Rimanere in mutande." Auf einmal gab’ es keine Bediensteten mehr, keine Köchin, die Frau hatte auch nie kochen gelernt, Freunde und Bekannten hatten sie erst für den nächsten Tag zum Essen eingeladen und er hatte Hunger. Seine Frau auch. Totò seufzte leise als er die Türe zur Speisekammer öffnete, wo gähnende Leere zu herrschen schien. Doch dann erhaschte sein Blick ein halbes Stück Caciocavallo ragusano, das verlassen auf einem Teller stand. Außerdem gelang es Totò noch einen halben Teelöffel Zucker aus der silbernen Dose, einem Familienerbstück, zusammenzukratzen. Der Plan stand fest, denn egal wie dreckig es einem Italiener auch gehen mag: Knoblauch, Olivenöl, Essig und Oregano hat er immer im Haus und auf Schmankerln verzichtet er auch nicht. Nachdem dann der erste „Caciu all’argintera“ der Geschichte verspeist worden war, lächelte Totò zufrieden. Seine Frau auch. Und wenn (…) lächeln sie noch heute.
In Rom kann man nicht einfach den Caciocavallo ragusano auftreiben aber dieses Keinrezept passte auch wunderbar zu einem Caciocavallo silano und passt bestimmt auch zu vielen, anderen Hartkäsesorten, wie Provolone, Scamorze usw. Besser natürlich wenn sie etwas pikant sind. Falls jemand da Vorschläge für „deutschsprachige“ Alternativen hätte: bitte, bitte wissen lassen!
Für 4 Personen (als kleine Vorspeise)
Zeit: 10Minuten

Zutaten:
  • 400g Caciocavallo Käse
  • Oregano
  • 3 EL Olivenöl extravergine
  • ½ TL Zucker
  • 1 EL weißer Weinessig
  • 2 Knoblauchzehen
Den Käse in nicht zu dünne Scheiben schneiden. In der Pfanne die geschälten Knoblauchzehen im Olivenöl anbraten, wenn sie  braun sind entfernen. Dann muss es recht schnell gehen- also besser wenn man die restlichen Zutaten parat hat. Die Scheiben in der Pfanne von beiden Seiten anbraten, dann auf einen Servierteller geben. Den Zucker drüberstreuen, dann großzügig den Oregano und den Essig darüber träufeln. Das Knoblauchöl aus der Pfanne darüber gießen und mit frischem Brot servieren.

Kommentare:

  1. Dieses Essen ist eine echte Herausforderung. Mich würde nämlich a) interessieren, ob ich Caciocavallo hier kaufen kann. Und b) frage ich mich, ob mir die Sache mit Zucker und Essig schmeckt. Das muss ich wohl ausprobieren... :-)

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  2. Wieder eine so schöne Geschichte. Und wie wahr! Da könnte ja sonst was passieren, aber für ein delikates Essen genügen ja wenige gute Zutaten. Und die hat man immer.

    Eine deutsche Variante für diesen Käse fällt mir auf Anhieb nicht ein. Aber ich fahre gleich in meine nur 4 km entfernte Käserei, da frag ich mal. Und lass es wissen, falls dem Meister was Alternatives bekannt ist. Aber ich denke eher nicht, wir sind hier in Schwaben ond gessa wird, was auf da Tisch kommt. Provolone bekommen wir hier aber auch ganz gut.

    Schönes WE und einen lieben Gruss, Brigitte

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  3. Dein Blog ist so eine reizende Fundgrube!
    Man könnte für dieses Gericht vielleicht auch halloumi nehmen?
    rimanere in mutande! zum Schreien.

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  4. @nata: Vielleicht kann der Kaesehaendler von Brigitte eine Alternative zu Caciocavallo vorschlagen.
    @Brigitte: Da bin ich ja auch mal gespannt.
    @365Tage: Ich denke schon, dass auch Halloumi passt.

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  5. Ich hoffe, ich finde den Käse an der Theke unseres italienischen Supermarkts... Klingt wahnsinnig lecker!

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  6. Provolone kann ich hier auch bekommen. Die Kombi mit Zucker/Essig zu geschmolzenen Kaese ...very interesting.

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  7. Hört sich ja echt lecker an, Käse geht bei mir immer! :-)

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  8. Mit geschmolzenem Käse kriegt man mich rum. Immer!

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  9. Super Geschichte - verleiht deinem Gericht genau den richtigen Rahmen.

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  10. Super Geschichte.
    Ich harre auch eines Vorschlages für eine Käsealternative nördlich der Alpen. ;)
    (Ich habe schon gegrillten Feta gegessen, aber das ist ja nicht dasselbe ...)

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  11. Nichts zu wollen! Die sind da sehr schwäbisch. Von daher nehm ich Provolone!

    LG, Brigitte

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  12. Manchmal hat es eben auch sein gutes, wenn man senza mutande da steht... man wird erfinderisch! Tolle Geschichte! Das Rezept sehr reizvoll... muss nur noch den Käse auftreiben...
    Liebe Grüsse
    Susann

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