11.03.2012

Der Granatapfel – La Melagrana

Wissen Sie, wie viele Samen ein Granatapfel enthält? Ein Hinweis - der deutsche Name leitet sich vom lat. granatus = körnig, kernreich ab.


Tatsächlich enthält jede Frucht durchschnittlich um die 400 Samen. Ausschliesslich diese bis zu 15 mm grossen, blassrosa bis tiefroten prismaförmigen mit Fruchtfleisch überzogenen dicht aneinander gepressten Kerne sind geniessbar. Sie sind in weisses, rosa oder rotes nicht essbares Fruchtfleisch eingebettet und durch eine dicke Schale geschützt. Die reife Fruchtschale ist gelb – grünlich mit rötlichen Flecken. Manchmal ist sie vollkommen rot und wird es auf alle Fälle, wenn sie zu Zierzwecken trocknet.
Es soll hunderte verschiedene Sorten von Granatäpfeln geben. Die wichtigste Unterteilung erfolgt zwischen  solchen mit harten oder weichen Fruchtkernen. Nur die zweiten sind für den Genuss bestimmt. Wesentlich ist vor allem auch die Unterscheidung nach dem Säuregehalt der Früchte: sauer, süsssauer und süss. Der Saft der Granatäpfel ist zumeist leicht adstringierend.
In Italien unterscheiden wir unter anderem folgende Sorten: jene mit den poetischen Namen Dente di Cavallo (Zahn des Pferdes), Selinunte (wie die grosse archäologische Ausgrabungsstätte in der Provinz Trapani im Westen Siziliens) und Racalmuto (wie die Geburtsstadt des berühmten sizilianischen Schriftstellers Leonardo Sciascia).

Methoden zum Herauslösen der Samen
Bei der einen wird die Frucht horizontal halbiert, die Schale an den dünnen Häutchen eingeritzt und die Frucht sternförmig zerbrochen. Ferner ist es möglich, die Kerne herauszulösen, indem man eine Schüssel mit Wasser füllt, den Strunk abschneidet und den Granatapfel in der Schüssel aufbricht. Die essbaren Kerne sinken in der Folge zu Boden, während die Schale sowie die weißen Häutchen auf dem Wasser schwimmen.

Verwendung in der Küche
Im Mittelalter war der Granatapfel in der Küche sehr verbreitet, heute eher weniger. Wir finden ihn in erfrischenden, geeisten Getränken (Grenadinesirup), sowie in der italienischen Zuckerbäckerei, der pasticceria. Er wird zu Speiseeis, Sorbets und granita (feingestoßenem Wassereis mit Fruchtsirup) verarbeitet und als Dekoration von Torten oder im Fruchtsalat verwendet. Ausgezeichnet passen die leicht säuerlichen Kerne, in der mitteleuropäischen Küche als Alternative zu Preiselbeeren auch zu Wildgerichten oder Pasteten und in den Salat. Der hohe Anteil an Antioxidantien wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Historischer Ursprung und Mythologie
Die Frucht stammt ursprünglich aus Südwestasien, wobei Uneinigkeit darüber besteht, ob sie in einer weiter ausgedehnten Zone von Armenien über den Zentralkaukasus bis zum Himalaja und Indien wuchs oder sich auf den Iran beschränkte.
In den Mittelmeerraum wurde der Granatapfel, auch Grenadine genannt, in weit zurück liegender Zeit eingeführt. Im antiken Ägypten war der Granatapfel Symbol für Fruchtbarkeit, und seit Urzeiten galt er als Symbol für Macht (Reichsapfel) und Reichtum. Die Araber brachten den Granatapfel nach Europa. Erwähnt wird der Granatapfel auch im Koran und im Alten Testament, wo die Anzahl der angeblich 613 Kerne des Granatapfels jener der Gesetze des Alten Testaments entspräche.


Von den alten Römern äusserst geschätzt, taucht der Granatapfelbaum, in den Bilddarstellungen von Gärten immer wieder auf. Genauso wie die lateinischen Schriftsteller ihn häufig beschreiben.

Auch in der Mythologie hat der Granatapfel eine entscheidende Bedeutung. Im Mittelpunkt steht Proserpina, Tochter des Zeus und dessen Schwester Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit. Als Proserpina vom Gott der Unterwelt Hades geraubt wird, willigt Zeus zu ihrer Rückkehr auf die Erde unter der Bedingung ein, dass sie in der Unterwelt noch nichts gegessen hat. Da sie jedoch vier Kerne eines Granatapfels kostete, wird ein Kompromiss gefunden: einen Teil des Jahres muss Proserpina in der Unterwelt mit Hades leben, die restlichen Monate darf sie auf der Erde bei ihrer Mutter verbringen. Die Monate in der Unterwelt entsprechen der unfruchtbaren Jahreszeit auf der Erde, in der Demeter traurig ist und daher keine Pflanzen gedeihen. Jeden Frühling bedeckt sich jedoch die Erde mit Blumen um Proserpina zu empfangen und solange sie bei ihrer Mutter auf der Erde weilt blüht und gedeiht alles.

Für Romreisende abschliessend in diesem Zusammenhang ein Kulturgenusstipp: Gian Lorenzo Berninis beeindruckende Marmorskulptur aus 1621/22 „Der Raub der Proserpina“ in der Villa Borghese. 


Bewusst geniessen und geschmackvoll reisen

Kommentare:

  1. Ein wirklich interessanter Beitrag!macht Lust auf mehr!

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  2. Vielen Dank für diesen informativen Bericht!
    Granatäpfel liebe ich schon wegen ihrem dokorativen Aussehen.
    Könnte mich nur schon wieder ärgern, weil wir beim letzten Rombesuch die Villa Borghese nicht mehr geschafft haben. Als glühende Verehrerin von Bernini nahm ich schon vor 30 Jahren ein unfreiwilliges Bad im Trevi-Brunnen. Eine übermütige Schulfreundin schubste mich hinein - das gab einen fürchterlichen Auflauf und Strafen von den Lehrern - auch für mich Unschuldige! So bleibt Bernini und seine Brunnen unvergessen für mich!!!
    Herzliche Grüße sendet Dir,
    Doris

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    1. Liebe Doris
      Dein Trevi-Brunnenbad ist ein Erlebnis, das Seltenheitswert hat! Um die Villa Borghese zu erkunden musst du unbedingt wieder einmal nach Rom kommen. Zu deinem Trost: obwohl ich schon über 20 Jahren hier lebe, hab auch ich noch einiges zu entdecken. Cari Saluti Ursula

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  3. Liebe Ursula,
    ich freue mich sehr, dass Du jetzt hier schreibst!

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    1. Danke dir herzlich! Ich freue mich sehr, als Gast bei Jutta Lorbeerkrone schreiben zu dürfen.

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  4. ...und wieder watt dabeigelernt...

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  5. Seit kurzem haben wir einen Tante-Emma-Laden im Dorf, den ein türkisches Ehepaar eröffnet hat. Seitdem gibt´s dort Granatäpfel zu kaufen - lecker lecker. Und sooo gesund.
    Auch das Granatapfelsamenöl ist ja ein wunderbares Hautpflegeöl.
    LG Heidi

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    1. Super Heidi! Tatsächlich sind Granatäpfel in nördlicheren Gefielden (noch hoffe ich) nicht so verbreitet.

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