02.08.2012

Spritz -Manie – der Star der Happy Hour

Seit einigen Jahren gibt es kaum einen Tresen oder Tisch zwischen Hamburg, Venedig, Kroatien und Ibiza, in dem die sommerliche fröhliche Farbe Orange des leicht bitteren Getränks in der Sommerzeit nicht vertreten ist. Nicht zuletzt hat die intensive Werbekampagne von Aperol seit 2008 zum erstaunlichen Erfolg beigetragen.

Selbst im Hofbräuhaus in München soll der Spritz gesichtet worden sein… indische Gäste fragen noch neugierig, aus welcher Traube dieser orange Wein sei.
Offiziell wurde der Spritz schliesslich 2011 in die Liste der Drink Ufficiali dell'International Bartenders Association (Iba) aufgenommen. Dort scheinen die bekanntesten und am häufigsten servierten Cocktails auf.


Ursprung des Spritz
Der Ursprung des Getränks soll auf die Soldaten des österreichischen Reiches zurückzuführen sein. Bei der Stationierung in der Repubblica Serenissima, der Österreich bis 1866 angehörte, „spritzten“ sie den Wein der Region Venetien mit Sodawasser, um den hohen Alkoholgehalt zu reduzieren. In Österreich und Südtirol wird Weisswein mit Zitronenscheibe aufgespritzt mit Mineralwasser oder Soda heute noch als „Gespritzter“ oder „Spritzer“ bezeichnet. Und im Friaul wird er unter Spritz Triestino oder liscio (pur) bestellt.


Was verstehen wir heute unter Spritz – der Spritz und seine Varianten
Im Laufe der Zeit wurde schliesslich, vielleicht um einen Farbakzent oder auch ein zusätzliches Geschmackselement zu verleihen, ein roter „bitter“, also ein aromatisierter Likör, hinzugefügt. Zur Anwendung kommt entweder Aperol, Campari oder Select (eher eine Tendenz aus Venedig), seltener China Martini oder Cynar.

Ein Spritz am Canal Grande

Aperol ist ein Destillat aus Bitterorange, Rhabarber, Chinarinde, Enzian und aromatischen Kräutern. Dieses fruchtig süss-bittere Getränk wurde 1919 in Padua von Giuseppe Barbieri aus der Distillerie F.lli Barbieri erfunden. Seit 2003 gehört Aperol zur Campari Gruppe. Der Alkoholgehalt ist unterschiedlich: in Italien 11% und in Deutschland 15%.
Der Campari wurde bereits 1860 von Giuseppe Campari in Novara 1860 erfunden und besteht angeblich aus 80 geheimen Zutaten. Verwendet werden sicherlich die Rinde des Kaskarillabaumes, Chinin, bittere Kräuter, Rhabarber, Granatapfel, Ginseng und Orangenschale. Seit 2006 wird die rote Farbe aus einem künstlichen Farbstoff und nicht mehr aus Chochenilleschildläusen verwendet. Der Alkoholgehalt ist auch beim Campari Länderspezifisch und zwischen 20,5% und 28%. In Italien wird er mit 20,5% getrunken und in Deutschland mit 25%. Beim Select Pilla handelt es sich um einen aus der Mode gekommenen Bitter mit 17,5%.
Der Aperol Spritz, in Italien der alkoholärmste, ist vom Geschmack her mittelsüss, jener mit Selct als weniger süss und der Campari Spritz als bitter einzureihen. Seit einiger Zeit wird ein gemixter Aperol Spritz als sogenannte „home edition“ bereits in der Dose oder in der Flasche angeboten. Die neueste alkoholfreie Variante soll den arabischen Markt erobern.


Spritz-Hour
Seinen Ausgangspunkt hatte der Spritz als alkoholischer Aperitif in Venedig und im übrigen Veneto, im Friaul und Tretino-Südtirol. So ist der Genuss dieses Aperitifs dort ab dem späten Vormittag oder vor dem Abendessen zu einem wahren Ritual geworden. In Venedig wird er häufig statt des Glas Weissweines zu den typischen Cicchetti (Tapas ähnliche Häppchen) gereicht.

Cicchetti


Zubereitung des klassischen Aperol Spritz
etwa 70 % Weisswein (oder prosecco)
etwa 30% Aperol
2 Spritzer Soda
serviert mit viel Eis, einem Orangenschnitz und eventuell einer Olive.

Für die alkoholärmere Variante werden 40% Weisswein und je 30% Aperol und Sodawasser gemixt.

Bei Verwendung von Campari oder Select wird ein Zitronenschnitz bevorzugt.

Salute...

Der Apeol Spritz hat unterdessen eine erste Rolle in einem Hollywoodfilm. In „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“ bietet Dustin Hoffmann Robert De Niro einen Aperol Spritz an…


Ursula Prügger

Bewusst geniessen & geschmackvoll reisen


Kommentare:

  1. Sieht auf jeden Fall sehr sommerlich aus. Bei uns gibt's zur Happy Hour Gin and Tonic - auch wenn das Sommerwetter doch sehr zu wuenschen uebrig laesst. Aber deshalb heisst es ja HAPPY HOUR!

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    1. Die Farbe Orange gilt ja auch als stimmungsaufhellend, wirkt belebend und betont einen „mediterranen“ Stil. Das ist sicherlich mit ein Erfolg des Spritz.

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  2. Campari mag ich, Aperol oder Aperol-Spritz weniger. Der Aperol-Spritz loest bei uns den Gspritzten immer mehr ab. Man sieht ueberall Orange in den Strassencafes und Gastgaerten, nur traditionellen Heurige setzen mehr Gspritzten ab. Aber ohne Zitronenscheibe, die gibt es bei uns nicht im Gspritzten!

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    1. Gespritzter Weisswein und Zitronenscheibe Eline ruft bei mir Grazer Studentenzeit in Erinnerung. Das war unser Standardgetränk. Seither habe ich den Spritzer auch nicht mehr mit Zitrone getrunken.

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    2. Möglicherweise eine Grazer Spezialität ;-) In Wien und auch hier in Oberösterreich, glaub ich, undenkbar.

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    3. ...vielleicht kommt da der mediterrane Einschlag in der "Grazer Variante des Spritzers" zum Vorschein. Heute ziehe ich abgesehen davon den Wein pur vor ;-)

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  3. Wirklich tolle Rezepte insgesamt. Aber zunächst Danke für das der Zubereitung eines Aperol Spritz. ;-)

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